Nachdenkliches zum Hohen Donnerstag

Liebe Erstkommunikanten, in Christus unserem Herrn geliebte Gläubige

“Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Diese Anweisung haben wir der Lesung aus dem 1. Korintherbrief entnommen. Sie findet sich ebenso im Einsetzungsbericht beim Evangelisten Lukas. Von der jungen Gemeinde in Jerusalem heisst es in der Apostelgeschichte noch im selben Kapitel, indem das Pfingstfest geschildert wird: „Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens“ (Apg 2,46). Ebenso in der Apostelgeschichte wird beschrieben, wir der Apostel Paulus „am ersten Wochentag“ mit anderen Christen versammelt war,“ um das Brot zu brechen“ (Apg 20,7). Der erste Wochentag ist der Auferstehungstag des Herrn, unser Sonntag! Ohne eine Anweisung des Herrn gäbe es heute am Hohen Donnerstag nichts zu feiern und unsere Werktags- und Sonntagsgottesdienste wären reine Wortgottesdienste. Ohne Zweifel – es würde etwas fehlen – nicht irgend etwas, sondern die hl. Messe, die Eucharistie. Das II. Vatikanum hat die hl. Eucharistie als „die Quelle und den Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ bezeichnet. Allerdings, erfährt der Hohe Donnerstag des Jahres 2020 angesichts der Coronakrise mit dem Versammlungsverbot über fünf Personen eine spezielle Prägung. In meine Freude über die Einsetzung der hl. Eucharistie durch Jesus Chrsistus beim letzten Abendmahl mischt sich eine gewisse Trauer und auch Nachdenklichkeit. Es ist eine ähnliche Traurigkeit, die mich im Jahr 2018 erfasste, als die Priorin des Klosters Fahr, Sr. Irene Gassmann, ein Eucharistiefasten für 40 Tage vorschlug. 

Ihr damaliger Vorschlag wörtlich: „als Kirche im Kanton Zürich, auch als Klostergemeinschaft, eine Fastenzeit zu machen. Und zwar ein Eucharistie- und Sakramentenfasten. Die Erfahrung machen, 40 Tage lang keine Sakramente zu haben. Den Leerraum, der dadurch entstehen würde, könnten wir nutzen, um miteinander im Gebet zu hören, was Gott uns sagen möchte.“ (https://forum-pfarrblatt.ch/ausgaben/2018/06/gemeinsam-mit-christus-im-zentrum/)

Miteinander beten, auf Gott hören, das alle ist gut und recht, aber nicht ohne die hl. Sakramente!

Liebe Brüder uns Schwestern, seit dem 16. März (2020) feiern wir Priester jeden Tag die hl. Messe faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, maximal fünf Personen sind anwesend. Der Bundesrat hat diese sehr restriktive Anordnung gestern bis zum 26. April verlängert. Das sind 41 Tage und darin befinden sich die höchsten Feiertage des Kirchenjahres. Wir machen das nicht freiwillig – es ist uns auferlegt worden. Es ist ein erzwungenes Fasten, ja Fasten ist das falsche Wort. Die Gläubigen sind auf eucharistischen Entzug gesetzt worden!. Ja, es geht sogar noch darüber hinaus. Es geht nicht nur um die hl. Eucharistie: Denn die hl. Sakramente werden in dieser Zeit nur im Notfall gespendet. Die Nottaufe, die Krankensalbung und die hl. Kommunion wird nur im Notfall den Sterbenden vorbeigebracht. Erstkommunion und etliche in diese Zeit fallende Firmungen sowie Trauungen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben, ebenso eine bereits geplante Priesterweihe, wie mir heute mitgeteilt worden ist. Das einzige Sakrament, das derzeit ordentlich gespendet werden kann, ist die hl. Beichte, natürlich unter Einhaltung der präventiven Massnahmen. Auch die hl. Kommunion kann unter diesen Bedingungen in der Kirche gespendet werden, wenn ein Priester anwesend ist. Wir Priester sind derzeit häufiger präsent in der Kirche, so dass doch etliche Gläubige, die zu einem Besuch des Herrn kommen, ihn auch sakramental empfangen können.

Diese erzwungene Fastentortur, wenn ich das so sagen darf, würde keine vernünftige Person römisch-katholischen Glaubens freiwillig auf sich nehmen. Es sollte uns nachdenklich machen, dass parallel zum Lock-down auch das sakramentale Leben der Gläubigen nahezu zum Erliegen gekommen ist. Sicher: die geistliche Kommunion, die ich schon bei der Vorbereitung der Erstkommunikanten mit einem einfachen Gebet pflege, ist etwas Wunderbares. Wir rufen Christus ganz persönlich in unser Herz: „Jesus komm zu mir, Jesus bleib in mir, Jesus wirke in mir, Jesus ich danke dir.“ Ich hoffe, dass alle Kinder, die nicht wie geplant die hl. Erstkommunion feiern können, diesen Akt häufig setzen. 

Bitten wir auch darum, dass die hl. Sakramente, vor allem auch die hl. Messe, wieder vermehrt geschätzt werden, von allen Gläubigen – auch von den Theologinnen und Theologen. Bitten wir, dass diese zwangsverodnete Entzug der hl. Sakramente zur Besinnung und Neuausrichtung zu Gott führt.

Ihr Pfarrer Roland Graf